Ist es Liebe oder bin ich mittlerweile nur noch aus Gewohnheit mit ihm zusammen?

Wenn Gewohnheit und Angst ein neues Zuhause suchen

Wer kennt das nicht? Hunderte von Schmetterlingen rebellieren im Bauch, man möchte den ganzen lieben langen Tag nur noch in der Nähe des Anderen sein, kann nichts mehr essen, nicht schlafen. Gedanken zwitschern einem durch den Kopf und die ganze Welt um einen herum versinkt in einem rosa Dunst.
Man ist hoffnungslos verliebt.
Doch was ist, wenn die Schmetterlinge irgendwann ausgeflogen sind und die rosa Brille beiseite gelegt wurde, weil man sie schon ziemlich lange auf hatte?
Wenn nach einiger Zeit der gemeinsame Alltag eingekehrt ist und die ersten Streitigkeiten auftauchen? Meinungsverschiedenheiten gemeistert werden müssen? Wenn sie, die sprichwörtlich, offene Zahnpastatube irgendwann genauso nervt, wie ihn ihr extravaganter Schuh-Faible? Dann fragt man sich oft zu Recht, ob eigentlich überhaupt noch die Liebe regiert oder tatsächlich nur noch die Gewohnheit inne hält. Diese fiese kleine Gewohnheit, die sich heimlich eingeschlichen hat und auf einmal auch in der gemeinsamen Wohnung wohnt. Sie ist so winzig und kann sich doch so breit machen. Um der Gewohnheit keinen Raum zu geben, ist es wichtig sich der Liebe zu seinem Partner immer stets bewusst zu sein. Es sind die kleinen unscheinbaren und zweisamen Augenblicke, die das Feuer am Leuchten erhalten und nicht der Erbsen zählende Alltag. Liebe ist niemals bedingungslos und sie bedeutet viel harte Arbeit an der Beziehung selbst, was nicht immer Spaß macht. Sie bedeutet auch viel Geduld, eine noch größere Portion an Verständnis und vor allem bedeutet sie Jemanden trotz seiner kleinen Unebenheiten in sein Herz zu schließen.
Und doch kommt irgendwann der Punkt, an dem die Zweifel an einem nagen und man sich fragt, ob die Beziehung überhaupt noch einen Sinn macht. Nicht wenige Paare leben nur noch aus Gewohnheit zusammen, weil man den Partner zum Grundpfeiler seines Lebens gemacht hat und er ein fester Bestandteil des Lebens geworden ist.
Weil der Teil, der auf eine Trennung folgen würde, schlichtweg unbequemer ist, als mit der gegebenen Situation weiter zu leben.
Weil man sich endlich einmal auf den Lorbeeren ausruhen kann alle gesellschaftlichen Erwartungen erfüllt zu haben und sein Seelenheil und passendes Gegenstück gefunden hat.
Doch was ist mit der Altersvorsorge? Den Kindern? Dem Haus?
Was als harmonisches Ganzes begann, beginnt langsam zu bröckeln, aber die Gründe für das Zusammenleben aus Gewohnheit sind oft einfach nur sehr selbstbezogen.
Gewohnheit kann eine ganz andere Liebe entstehen lassen und die Unterschiede zwischen diesen Feinheiten zu sehen ist nicht ganz so einfach, wie es scheint. Manchmal ist es jedoch hilfreich, wenn man sich ein paar der wichtigsten Punkte vor Augen ruft und sie still und leise im Innersten für sich selbst beantwortet.

Seid ihr auf Augenhöhe oder ist ein Partner überlegen?

Liebe bedeutet nicht dem Anderen überlegen sein zu müssen, sondern sie bedeutet eine Aufteilung unterschiedlicher Fähigkeiten. Schafft es ein Partner immer seine Vorstellungen umzusetzen? Wird alleine bestimmt oder gemeinsam? Liebe bedeutet natürlich auch seine eigenen Wünsche einmal hinten anstehen zu lassen.

Verantwortung anstatt von Gleichgültigkeit

Wer einander liebt ist für seinen Partner da und unterstützt ihn bei seinem Tun und Handeln, wo immer er Hilfe benötigt. Es bedeutet nicht alleinig für die Erfüllung seiner Wünsche zuständig zu sein, aber eine helfende Hand zu reichen, wenn es von Nöten sein sollte. Bei einer Beziehung aus Gewohnheit sind einem die Interessen des Partners jedoch nahezu gleichgültig und man stumpft ab.

Sehnsucht

Vermisst ein Teil den anderen, wenn ein paar Tage dazwischen liegen, selbst wenn man genug Ablenkung zwischendurch hat? Lässt der Partner einem ein kleines Lächeln auf das Gesicht zaubern, wenn man sich nach einiger Zeit das erste Mal wieder sieht oder empfindet man die Rückkehr eher als unangenehme Last?
Wenn das Herz beim Anblick auch nach vielen Jahren immer noch höher schlägt, dann kann man sich sicher sein, dass die Liebe ihre Finger im Spiel hat und auf jeden Fall noch nicht die Gewohnheit.

Freiheiten ohne Kontrolle

Ist es Jedem in der Beziehung möglich seinen Interessen in Freiheit nach zu gehen, ohne dass der Partner in Eifersucht und Angst vergeht?
Ohne dass in Zeiten der Unsicherheit Kontrolle ausgeübt wird?
Jedem Menschen sollte man zugestehen sich in Sicherheit entwickeln zu können, doch dabei kann man sich natürlich niemals sicher sein, dass dies irgendwann nicht in unterschiedliche Richtungen passiert.

Gemeinsam in die Zukunft

Ein ganz wichtiger Punkt ist es gemeinsame Ziele in der Zukunft zu haben und sich im Klaren darüber zu werden, ob es sich dafür auch lohnt all seine Kraft zu investieren.
Wie fühlt sich die Vorstellung an auch noch nach 10 Jahren neben dem geliebten Partner morgens aufzuwachen?
Wie stellen sich beide Teile das Leben in Zukunft vor?
Gibt es Gemeinsamkeiten und ist Wert, auf dem, was vorhanden ist, aufzubauen?

Zuversicht und keine Angst

Selbstverständlich fragt man sich hin und wieder, ob einen der Partner überhaupt noch liebt oder ob er nur noch aus Bequemlichkeit und Gewohnheit in der Beziehung steckt. Bequemlichkeit ist selbstverständlich der Weg des geringsten Widerstandes. In solchen fragwürdigen Momenten schleicht sich oft ganz heimlich und leise die Angst ein.
Die Angst, ob man nach einer Trennung jemals wieder Jemanden findet, der einen liebt.
Die Angst vor Leere und Einsamkeit und vielleicht auch ein bisschen vor der kommenden Veränderung.
Es ist wichtig zuversichtlich in die Ferne zu sehen und sich auszumalen, was alles wunderbares geschehen kann.
Seinen Träumen und Ideen ein wenig nach zu hängen und der Angst kein Zuhause zu geben.

Liebe ist in jedem Fall immer damit verbunden sich gegenseitig zu stützen und beim Wachsen zu helfen. Liebe und Gewohnheit müssen sich nicht unbedingt gegenseitig ausschließen, denn beides kann auch zu etwas Neuem und gewohnten führen.
Liebe bedeutet Entwicklung und wo ständige Entwicklung am Werkt ist, dort ist auch Leben.
Die Definition von Alltag, Liebe und Gewohnheit, die liegt einzig und alleine bei den Inhalten und Standpunkten der beiden Partner selbst und ob sie bereit dazu sind für ihre Zukunft zu kämpfen.